April - Funplex von THE B-52’s

Die B-52’s sind nicht die erste bereits in den 80ern erfolgreiche Band (und hoffentlich auch nicht die letzte), die sich in ihrer Originalformation mit nigelnagelneuen Songs zurückmeldet. Die Bienenstockfrisuren, nach denen sich die US-Amerikaner benannt haben, sind zwar schon lange nicht mehr ihr Markenzeichen, aber musikalisch stehen Fred Schneider, Kate Pierson, Cindy Wilson und Keith Strickland aus Athens/Georgia auch 30 Jahre nach ihrer ersten Platte („Rock Lobster“) immer noch für ultrabunten Partypop mit punkig-rotzigem Gesang.

In ihrer Karriere mussten die New Wave-Rocker selten richtige Tiefpunkte durchleben. Am ehesten dürfte dies im Herbst 1985 der Fall gewesen sein, als Ricky Wilson, Cindy Wilsons Bruder und Gitarrist der Band, an AIDS starb, was die verbliebenen Bandmitglieder in persönliche Krisen und die fröhliche Combo in eine mehrjährige Auszeit stürzte. Zusammen mit dem 1989 kommerziell überaus erfolgreichen, mit Multiplatin ausgezeichneten „Cosmic Thing“ könnte „Funplex“ aber das erfolgreichste Album in der Bandgeschichte werden, stieg es doch in den schwierig zu knackenden US-Charts kürzlich auf Platz 11 ein. Ein ungewöhnlicher Erfolg für eine Band, die seit ihrer Gründung 1976 mit einer ungebrochenen musikalischen Eigenwilligkeit auf sich aufmerksam macht.

Wer mit ihrer nicht sehr tiefgründigen Musik, dem unbeschwerten Getröte der Sirenen Kate und Cindy und Fred Schneiders Sprechgesang nie was anfangen konnte, dem sei "Funplex" nicht unbedingt empfohlen. Jedoch zeigen sich die Damen gesanglich bodenständiger denn je und nie waren die vier so „un-nervend“, nie war ihre Musik so ausgeglichen wie auf „Funplex“. Und wenn man zur Abwechslung einfach mal gerne Gute-Laune-Pop hört oder was zum tanzen benötigt, dann wird man mit den B-52's immer noch bestens bedient. Die frühlingshafte Frische, mit der sie nun auftrumpfen, steckt aber nicht nur in ihrer Musik oder ihren Outfits. Gitarrist und Ex-Drummer Keith Strickland wird diesen Herbst fünfundfünfzig! Ist ein geheimer Jungbrunnen oder vielleicht doch eher ein Bildbearbeitungs-Programm dafür verantwortlich, dass er mindestens 20 Jahre jünger aussieht?

Auch wenn sich die B-52’s musikalisch nie grossartig verändert haben, finde ich, dass nach 16 Jahren Abstinenz ein neues B-52’s-Album mindestens so notwendig war wie hin und wieder ein Partybesuch. Beim einen wie beim anderen geht es mehr oder weniger immer um dasselbe, ohne dass es aber beim zehnten Mal langweiliger würde.

„Pump“ als Einstieg zieht zwar noch lange nicht alle Trümpfe, ist aber das richtige Mittel, um warm zu werden. „Hot Corner“ und „Ultraviolet“ offenbaren da schon mehr von den knackigen Gitarren und Gesangsharmonien. „Juliet Of The Spirits“ ist ein phänomenaler Popsong, für einmal völlig ohne Freds staubtrockene Knäckebrot-Stimme. Schlag auf Schlag geht’s weiter, denn der ausgekoppelte Titelsong „Funplex“ fährt so ein, wie man es von einem Hit erwarten darf. „Eyes Wide Open“ verlässt mit 5:35 Minuten in modernstem Dance-Gewand die gewohnten Bahnen etwas, sorgt damit aber nur für mehr Abwechslung.

Freds quäkige Robotereinlagen verpassen dem besonders kurzweiligen und futuristisch angehauchten „Love In The Year 3000“ den letzten Schliff. Eine Ballade fehlt noch? „Deviant Ingredient“ ist zwar keine typische Ballade (falls die B-52’s sowas überhaupt je hatten), aber zurücklehnen und die romantisch flirrenden Gitarren und den himmlischen Chorus geniessen ist auch nicht schlecht. In „Too Much To Think About“ wird wieder gerockt, was das Zeug hält. „Dancing Now“ ist zurückhaltender, aber trotzdem voller schillernder Farben. Was sie mit ihrem Schluss-Song „Keep This Party Going On“ meinen, ist wohl klar: Kauft unsere Platten ;-), seid nett zueinander und habt Spass! Aber gerne!
“Funplex“ ist eine durchwegs positive Platte, die wie ein Regenbogen nach einem sommerlichen Wolkenbruch die gute Stimmung gratis mitbringt. Wie eine Horde verspielter Kinder toben und grooven die vier schrägen Vögel durch ihr Dance-Universum und verbreiten die Botschaft: "Have FUN and DANCE!" Und wer nicht tanzen mag, den entzücken die vor Charme sprühenden Amerikaner trotzdem.

www.astralwerks.com

 

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