Yes von PET SHOP BOYS

depechemode.ch - CD Tipp des Monats 2009 | März - PET SHOP BOYS

von Daniel K. , depechemode.ch

 

Es ist ja soooo frustrierend, dass sich „unsere“ Depeche Mode mit einem Schweizer Konzertdatum so unendlich schwer tun! Es ist un:schön, wenn man auf eine e-mail-Anfrage für eine Vorab-Rezensions-CD ausnahmsweise mal keine Antwort erhält (nein, betrifft nicht DM!). Es nervt beim Betrachten der Live-DVD von Camouflage daran erinnert zu werden, dass das Trio sein letztes CH-Konzert wegen einem Promotionstermin kurzfristig und ersatzlos gestrichen hat. Es ist nicht erfreulich zu sehen, dass „altehrwürdige Szenebands“ nach vielen Jahren im eigenen abgestandenen „Szene-Fett“ braten und langweiliger statt interessanter werden. Und dass Musik heutzutage einen schwierigen Stand hat, wenn’s darum geht, als Konsument oder als Nutzer von Urheberrechten dafür bezahlen zu müssen, damit hör ich besser auch gleich wieder auf…

Bei soviel Düsternis tun zwischendurch ein paar durch die Wolkendecke drückende Sonnenstrahlen gut. Oder auch sowas wie ein einfaches, eindeutiges JA in Grossbuchstaben! „YES“, in der Sprache des Mutterlandes der Popmusik. Wie schon ewig nicht beweisen die Briten momentan, dass sie es nicht verlernt haben, herausragende Musik zu schreiben und zu performen. Nach den Ueberfliegern WHITE LIES und FRANZ FERDINAND, die auf den guten Weg zurückgefunden haben, lassen nun auch die zu Bestform auflaufenden, kühl rock’n’rollenden CLIENT und die unverwüstlichen PET SHOP BOYS keinen Zweifel daran, wo souveräne, coole Pop- und Rockmusik oft herkommt.

Mit Johnny Marr, dem legendären Gitarristen der Smiths, und dem London Metropolitan Orchestra haben die „Jungs von der Tierhandlung“ erneut grossartige Musiker für Album Nummer Neun mit an Bord, ebenso wie ihre simplen und doch so bedeutend wirkenden Geschichten über die Liebe und Beziehungen, Gefühle, Träume, dazu die übliche Prise Sozialkritik. Auf YES bieten die PS-Boys viel perfekt modellierten Mid- und Uptempo-Pop.

Man nehme nur mal die aktuelle Single, den gutgelaunten Disco-Hüpfer „Love etc.“ zum klassischen Thema Liebe (und was da sonst noch ist). Auch „All Over The World“, von einem Stampf- und Klatsch-Beat unterlegt, handelt von girls und (pet shop) boys. Mit dem dudelnden Trompetengeschmetter fast eine moderne Version von „All You Need Is Love“ (Love? Was denn sonst…). Auch mit Track Drei lassen sie nicht nach. Ich behaupte sogar, dass „Beautiful People“, der Hochglanz-Katalog-Popsong über „schöne“ Menschen“, sich in die lange Liste der Pet Shop Boys-Klassiker einreihen wird.

Wenn auch nicht ganz alle elf Titel das Anfangs-Niveau halten, könnten sicher neun davon als Single herhalten. So auch „Vulnerable“, „More Than A Dream“ oder „The Way It Used To Be“, allesamt eher in discotauglichen Uptempo-Regionen. Das trifft zwar auch auf „Building A Wall“ und „Pandemonium“ zu. Doch mit diesen beiden Leckerlis haben Tennant und Lowe noch zwei absolute Hits aus ihren seit „Very“ vernachlässigten Spitzhüten gezaubert. Bei „Pandemonium“ gehe ich diesmal den umgekehrten Weg und nenne als Referenz eine nicht ganz so bekannte Band: „Pandemonium“ erinnert vom Rhythmus her an „Like Tears In Rain“ von unseren „Lieblings-Schweden“ Covenant.

Nur die Balladen fallen diesmal leicht ab, wobei des ausklingende „Legacy“ mit seinen mehr als sechs Minuten Chill-Out-Dramatik und „Chilbi/Kirmes-Einlage“ in einer eigenen Liga spielt. Auch nach dem letzten Tönchen halten sich die Schäfchenwolken und die ersten Frühlingsgefühle hartnäckig. Neil und Chris, zwei überirdische Wesen, vielleicht zwei Engel auf Erden? Stimmlich und optisch wär das sehr wohl vorstellbar; es fehlen nur noch die Flügeli. Doch wir, wir schweben auch ohne Flügel auf Wolke Sieben. Klar ist, dass sogar die ewigjungen Neil und Chris nicht jünger werden (Neil wird im Juli 55!). Trotzdem haben sie es endlich geschafft, wieder eine Menge etwas kitschiger, nichtsdestotrotz einschmeichelnder, vollendeter akkustischer Kunstwerke abzuliefern.

Apropos Kunstwerke: Warum sind Plattencover in farbenfrohen geometrischen Mustern gerade so „in Mode“? Gut, lassen wir die Wortspielereien. Im Gegensatz zu Depeche Mode kann man bei den Pet Shop Boys immer etwa erahnen, was musikalisch auf einen zukommt. Wer also den britischen Melancholie-Pop des Duos schon immer mochte, kommt am erstklassigen YES garantiert nicht vorbei. Und das nach den zwiespältigen Alben „Bilingual“ und „Nightlife“, dem Tiefpunkt „Release“ und schliesslich „Fundamental“, das schon viele Zeichen der Besserung aussendete.

YES, nach dem euphorischen Konzert im Zürcher Volkshaus vom Mai 2007 und mit dieser überragenden CD im Gepäck können wir nur hoffen, dass die Herren Tennant und Lowe die genannte Bude bald nochmals in Ekstase singen. Nur gewisse Sounds aus dem unendlichen Universum könnten ein solch überirdisches Erlebnis noch toppen. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

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