Celebration Tour

4 Mai 1986; Zürich; Hallenstadion

Setlist | Konzertberichte

Setlist

Chistmas Island
Black Celebration
A Question Of Time
Fly On The Windscreen
Shake The Disease
Leave In Silence
It´s Called A Heart
Everything Counts
It Doesn´t Matter Two
A Question Of Lust
Blasphemous Rumours
New Dress
Stripped
Something To Do
Master And Servant

Photographic
People Are People

Boys Say Go!
Just Can´t Get Enough
More Than A Party

Fan Bericht

Schwärzer als die Nacht - Ein elektronisch-düsterer-schwarzer aber perfekter Sonntag Abend

Die Bewohner, Autofahrer, Fussgänger und Restaurantbesitzer der Stadt Oerlikon trauten an diesem Sonntagnachmittag wohl ihren Augen nicht. Konzerte gab es im Hallenstadion seit den 80er Jahren zwar regelmässig. Ungewöhnlich gar fast unheimlich war an diesem 04. Mai 1986 aber dieser Strom von 12000 schwarz gekleideten Jugendli­chen, welche vom Bahnhof ins Hallenstadion strömten. Sie kamen an diesem Abend um die englische Synthie-Pop Band Depeche Mode erstmals live in Zürich zu erleben. Vor den Toren der Halle präsentierte sich ein Publikum aus normal gekleideten Leu­ten, Waves, Grufties und Technofreaks. Das waren alles Bewegungen, welche ihre Wurzeln in England hatten und in den 80ern entstanden waren.

Aber hatte es bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt eine Grossveranstaltung mit so einer speziell schwarz gekleideten Anhängerschaft gegeben? Die Antwort auf diese Frage darf man sicherlich mit nein beantworten.
Nach der Türöffnung füllte sich die Halle ziemlich schnell. Die Securities hatten wenig später bereits alle Hände voll zu tun. Das Gedränge und die Quetschwellen waren zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich heftig und die ersten Leute wurden aus den vor­dersten Reihen gezogen.

Plötzlich löschte das Licht und die Vorgruppe Book of Love eröffnete den Abend. Leider fand ihre Musik kaum Beachtung und die Stücke welche sie mit ihrem Debutalbum Book of Love präsentierten wurden ziemlich schwach beklatscht. Die Gründe sind einfach aufzudecken. Book of Love war eine typische Wave-Pop Band; für Liebhaber der Achtziger aus dieser Zeit somit nichts Spezielles und Neues. Heute bestehen sie zwar nicht mehr, werden aber immer noch gerne gehört.

Nach Book of Love wurde erst einmal die Bühne umgebaut. Das Gedränge in der Halle nahm nun langsam eskalierende Formen an. Ein Good News Verantwortlicher kam auf die Bühne. Er forderte die Menge auf, sofort einige Meter zurückzutreten um noch Schlimmeres zu verhindern. Das Publikum schien das nicht besonders ernst zu nehmen und begann zu pfeifen. Als der Veranstalter dann aber mit einer kurzfristigen Absage des Konzerts drohte, begriffen die Leute um was es ging und befolgten die Anweisung. Als dann noch ein Computer nicht einwandfrei zu funktionieren schien, kam bei vielen Fans der Gedanke die Band an diesem Abend nicht live erleben zu können.

Plötzlich ertönten aus den Boxen laute und düstere Elektroklänge. Das ganze wurde mit ziemlich grossen Nebelschwaden und Lichtblitzen hinter der Bühne im noch hel­len Hallenlicht unterstützt. Die Fans begannen zu applaudieren. Bei diesen unbe­kannten Synthie-Tönen handelte es sich um das zu dieser Zeit noch nicht veröffent­lichte Instrumentalstück Christmas Island. Trotzdem hatte in der Halle jeder sofort er­kannt, dass es sich um den Startschuss des Konzerts handeln musste. Plötzlich löschte das Hallenlicht und es erfolge ohne Unterbruch ein Übergang zum bekannten Stripped-Sampling, dass dann in den Opener Black Celebration endete. Nach einigen gesun­genen Strophen von Dave fiel endlich der Vorhang. Das Geschrei liess das Hallen­stadion vibrieren. Die Bühne bestand aus drei Kegeln auf denen Alan, Martin und Fletch mit ihren Synthies standen. Unterstützt wurden sie mit einer zur dieser Zeit geni­alen Lichtshow. Dave brachte das Publikum mit seiner Performance sofort in Fahrt. Nach jedem Song löschte das komplette Bühnenlicht und die Kegel leuchteten mit hellblauen Neonstreifen. Das schien die Leute sehr zu imponieren. Es folge Hit um Hit. Die Halle schien einem Hexenkessel gleich. Nach People are People ging die Band erstmals von der Bühne. Die Fans forderten nun noch die Zugaben. Nach Boys Say Go, Just can’t get Enough und More than a Party verabschiedeten sich die vier Jungs endgültig, das Hallenlicht ging an und alles war vorüber. Der Abend schien allen gefallen zu haben.

Weder die Presse noch das Radio hatte auch Tage oder Wochen nach dem Konzert irgendetwas zu kritisieren. Anscheinend wurde die Band kulturell endlich akzeptiert und vom Teenie-Pop Image endgültig befreit. Die Spitze Ihrer grössten Live- und Verkaufserfolge hatten sie jedoch noch nicht erreicht.

Thomas Wyss

depechemode.ch