Foot Of The Mountain von A-HA

von Daniel K. , depechemode.ch

 

Alle Jahre wieder dieses Sommerloch! Welche CD darf’s denn diesmal sein? Die als Opener von DM positiv aufgefallenen M83 aus Frankreich? Lieber nicht. Ihr neuestes Werk ist schon etwas älter, und bitte erst mal mehr Substanz! Die musikalischen Freiheitskämpfer von VNV Nation? Auch eine gute Platte, doch trotz aller Ideen irgendwie dasselbe alte Lied. Mehr Mut für Aenderungen, das kann ja nicht ewig so weitergehen! Oder I AM X? Ein harziger Start diesmal für Chris Corner, aber schliesslich das gewohnt schwungvolle und souveräne Futter für gelangweilte Ohren. Nur, er hat den Titel „CD des Monats“ - wie die Tipps der letzten drei Monate - schon einmal aufgehalst bekommen. Abwechslung schadet nichts, also was anderes…

Die Lösung liegt bei den gletschereisig-taufrischen Nordburschen A-HA. „Foot Of The Mountain“ ist das neunte Studioalbum von Magne Furuholmen, Pal Waaktaar und Morten Harket, letzterer mit tränendrüsendrückender und himmelhochjauchzender Stimme wie eh und je. Mit diesem Wurf knüpfen die Drei endlich wieder an alte Erfolge an, nachdem das „Comeback“-Album „Minor Earth“ (2000) zwar teilweise richtig gut geraten war, die Nachfolger „Lifelines“ und „Analogue“ aber von ganz wenigen Glanzlichtern zehren mussten. Zusammen mit „Memorial Beach“ (1993) sollten die besser von ihren Landsleuten, den bösen Trollen von Pride & Fall, geholt werden („CD des Monats“ August 2007).

Wenden wir uns wieder qualitativ ansprechenderen Tönen zu. A-HA haben es wie viele ihrer Musikerkollegen aus den 80ern geschafft, sich in den letzten Monaten lautstark in Erinnerung zu rufen. Es gibt verschiedene Theorien darüber, welcher kollektive Virus ziemlich alle der heute noch bestehenden Bands aus den Achtzigern nach einigen Jahren mehr oder weniger stark beeinträchtigte. Es ist bekanntlich nicht zuletzt die Welt von Musik und Show, die uns vorgaukeln will, dass Jugend ewig währt. Stimmt, Musik hat die Fähigkeit, jung und lebendig zu halten! Aber deswegen soll einem beim Begriff „alte Hasen“ ja nicht gleich „langweilig“ oder „ideenlos“ einfallen müssen. Genug des Philosophierens; sonst überbrodelt bei diesen Temperaturen der Denkapparat.

Ist es schlecht, wenn sich bei einem Song wie „Sunny Mystery“ das Soundbild anderer Musiker (hier Ultravox anno 83/84, „Dancing With Tears In My Eyes“) oder die Leichtigkeit der A-HA’schen Jugendwerke „Hunting High And Low“ und „Scoundrel Days“ ins Bewusstsein drängt? Der ständige Balanceakt zwischen „sich neu erfinden“ und „sich wiederholen“ haben A-HA meiner Meinung nach gekonnt gelöst. Gut, diese typischen Klavierfiguren wie in „Foot Of The Mountain“ oder in „What There Is“ wurden von Bands wie Keane, Coldplay oder Him ausgereizt, und haben sie in „Riding The Crest“ nicht „Take On Me“ wiederverwertet? Egal, sage ich, ausser man möge Mortens Stimme sowieso nicht, und überhaupt, hier ein Haar in der Suppe, dort eins, und da ein ganzes Haarteil, nörgel nörgel. Uebrigens ist „Riding The Crest“ genau einer dieser Songs, die einen in Gedanken unbeschwert mithopsen lassen. Bitte als Single mit Videoclip!

Was bringen A-HA im Sommer 09 sonst noch? Neben „Sunny Mystery“ und „Riding The Crest“ einen weiteren Ueberhit (ein doofes Wort, ich finde gerade kein anderes) namens „Bandstand“. Einen „Wurm im Ohr“ kriegt man möglicherweise bei „What There Is“, bei der Single „Foot Of The Mountain“, der Erkennungsmelodie für die Leichtathletik-WM von Mitte August in Berlin, und beim in diesen Hitzetagen besonders willkommenen „Shadowside“! Und…? Zwei mehr als nette Titel: „Nothing Is Keeping You Here“, in leichterer Form, und „Mother Nature Goes To Heaven“, etwas gewichtiger. Wenn ich noch „Real Meaning“ (schnuckelig!) und das an OMD angelehnte „Start The Simulator“ nenne, hab ich es auch dieses Mal geschafft, alle Titel aufzulisten. Sie haben’s verdient!

Es sind also „nur“ 10 neue Lieder, dafür keine überflüssigen. Die Tempi variieren, die Dauer der Stücke und die Höhe der Stimme auch, und auch sonst ist kein Stück wie das andere. Kein Wunder, waren doch verschiedene Produzenten beteiligt. Unter anderem Erik Ljunggren, ehemals Mitglied der wunderbaren Seigmen und von Zeromancer. Gute Laune und sonnige Gefühle ohne Unterbruch, für Fr. 27.90 bei cede.ch. Der Berg auf dem Cover ist übrigens nicht das Matterhorn. Aber egal. A-HA sind momentan nicht am „Foot Of The Mountain“, sondern endlich wieder fast ganz auf der Spitze oben.

www.a-ha.com/
www.myspace.com/aha

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