In Love We Trust von CLAN OF XYMOX

von Daniel K. , depechemode.ch

 

Genau wie a-ha (siehe letzter Tipp) veröffentlichten Clan Of Xymox ihre erste Langspielplatte 1985. Und wie bei den chartsverwöhnten Norwegern wurde der Werdegang der Niederländer in den umwälzenden 90ern von musikalischen Irrwegen und einem jahrelangen Unterbruch getrübt. Erstaunlich auch der Vergleich von a-has genialer Single „Train Of Thought“ mit „A Day“, dem ersten Hit von Clan Of Xymox. Dieselben Sequencer-Passagen? Abgekuckt oder einfach typisch für die damalige Musik? Genug der Gemeinsamkeiten.

Im Gegensatz zu a-has Musik waren die Tonträger von Clan Of Xymox in Europa nie enorme Verkaufsschlager, auch wenn ihr Debut die 100’000er-Marke gekratzt hatte. Ganz anders in den USA. „Twist Of Shadows“ (1989) verkaufte sich vor allem dank riesigem Erfolg in Nordamerika über 300’000mal. Erfolge anderer Art erleben Clan Of Xymox in Lateinamerika, wo sie heutzutage bei ihren Auftritten gefeiert werden wie nirgends sonst. Erfolg oder nicht: Ronny versuchte stets, seinen eigenen Weg zu gehen. Bis zur Kreativpause 1993 waren Clan Of Xymox (oder „Xymox“, wie sie sich in jener Zeit nannten) eine von Synthesizern dominierte Band. Dies änderte sich 1997, als auf der Single „Out Of The Rain“ und dem Wiederauferstehungs-Album „Hidden Faces“ vermehrt Gitarren zu hören waren, die teils an die Sisters Of Mercy, teils an The Mission erinnerten.

Jetzt aber zu Werk Nummer zwölf, zubereitet mit einer Menge älterer Musikapparate: “In Love We Trust“. Der Liebe vertrauen wir, sogar wenn dabei immer wieder Herzen verletzt werden. Allerdings versteckt sich in diesen Worten viel Ironie: In Wahrheit geht es ums zu lange Zusammensein, bis keine Gemeinsamkeiten mehr bleiben und man sich trennt. Ein Ignorant aber derjenige, der in Clan Of Xymox’ Musik oder Texten nur das Schwere und Dunkle sieht. Im strahlenden „Morning Glow“ wurde das Morgenglühn perfekt umgesetzt: Augen zu, Meeresluft einatmen und weg ist man für einige Minuten. Oder die vorab erschienene Single „Emily“. Ein bedingungslos optimistisches und hingebungsvolles Liebeslied mit sanft und zielstrebig voranschlängelnden Synthbässen. Immerhin fühlen sich Ronny Moorings und seine Partnerin Mojca Zugna in ihrer Wahlheimat Leipzig so wohl wie früher nirgendwo. Uebrigens ist Mojca - abgesehen vom Bassspiel - seit vielen Jahren schon für die phantastischen, meist in dämmrigen starken Farben gehaltenen Booklets und Cover zuständig.

Ebenso finster hallen einige der neuen Songs, sei es klanglich oder inhaltlich: Zum dichten wohligen Sound-Teppich von „Desdemona“ gesellen sich verführerische Hochfrequenzen, und über allem thront Ronnys hier besonders gespenstische Gesang. Nicht allzuviel Licht bringt auch die leidenschaftliche Selbstanklage „Judas“, ein einziger verzweifelter Aufschrei. Der Titeltrack „In Love We Trust“ hat, wie bereits erwähnt, auch nicht gerade einen sonnigen Hintergrund. Entschlossenheit durchzieht dieses Lied für die Liebe, doch die Lust spielt der hehren Absicht böse Streiche. „Love Got Lost“, der zweite „Love“song, kommt zwar unauffälliger daher, ist aber immer noch solide „Xymox-Wertarbeit“. Er handelt (natürlich…) vom Verlust der geliebten Person. Wie wenn’s nicht schwierig genug wäre, erst mal jemanden zu finden?!

In solchen Situationen hilft vielleicht… eine schwermütige Ballade. Clan Of Xymox waren schon immer die Meister einer herzergreifenden und erbarmungslos finsteren Bedächtigkeit. Leider beschränkt sich die Auswahl diesmal auf „Sea Of Doubt“: Im Herzschlagrhythmus (60bpm) übers funkelnde Meer der Zweifel. Nächster Höhepunkt: Das ebenfalls ironisch zu verstehende „Home Sweet Home“ über Menschen, die sich gefangen fühlen, Erfahrungen ausserhalb ihres Körpers suchen und sich doch nur wieder in der eigenen Haut, dem einzig wahren Zuhause, wiederfinden. Ein extrem gegensätzlicher Text zum gerade gehörten und überaus befreienden „Morning Glow“. Ausserdem erwartet Dich: „Hail Mary“, etwas zu offensichtlich auf „Hit“ getrimmt. „On A Mission“, von der „Heroes“-Maxi überarbeitet und für „In Love We Trust“ ungewohnt rauh. Und „Chemistry“, leider nur für Käufer der „Emily“-Maxi erhältlich, aber für echte Xymox-Fans unverzichtbar.

Die neuen Songs erfrischen wie eine angenehme Brise. Obwohl recht zugänglich und eingängig, sind sie beileibe nicht phantasielos oder gar einschläfernd fad geraten. Umso bedauerlicher, dass durchschnittlich über zwei Jahre - diesmal sogar mehr als drei Jahre - bis zu einer neuen Clan Of Xymox-CD vergehen. Trotz allen Lobes frag ich mich auch diesmal, wo die ganze Ideen-Vielfalt geblieben ist. Man höre sich nur „Creatures“ oder „Notes From The Underground“ an! Das Rezept kann doch nicht (fast) nur „Club- und Tanztauglichkeit“ heissen.

Schön, dass wieder mehr eigene Ideen einfliessen und auf reine Effekthascherei, die so oft eine zu wichtige Rolle spielt, verzichtet wird. Clan Of Xymox in bestechenderer Form als auf den beiden Vorgängern „Farewell“ und „Breaking Point“, die teilweise mit dem „Szene-Einheitsbrei“ liebäugelten. Als aufmerksamer Zuhörer wird man sich auch nicht von allfälligen etwas abgenutzten Gothic-Merkmalen irreführen lassen. Es ist eben nicht einfach, das ausserordentliche Niveau, auf das man sich immer wieder hievt, jahrzehntelang zu halten. Ein endlich wieder mal bei uns erlebbarer Ohrenschmaus, live am 24. Oktober im Zücher Xtra (zusammen mit Leaether Strip).

www.clanofxymox.com
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