Lumineux Noir von MARSHEAUX

von Daniel K. , depechemode.ch

 

Mesdames, Messieurs! Voilà, enfin, le nouvel album de Marsheaux, le duo éléctronique féminin de la grèce. Ne vous inquiétez pas: Die Sprache hier ist immer noch Deutsch, auch wenn Bandname sowie Albumtitel dieses Mal ungewohnt frankophon klingen. Depeche Mode und Visage lassen grüssen. Doch wie war das gleich mit dem „elektronischen Frauen-Duo aus Griechenland“?

Es waren einmal zwei Musen namens Marianthis Melitsi und Sophia Sarigiannidou. Bei einem DM-Fantreffen in Thessaloniki beschlossen sie, eine Band zu gründen. Der Name war schnell gefunden: Die Anfangssilben ihrer Vornamen aneinanderhängen, aus klanglichen Gründen ins Französische „übersetzen“, und fertig! Da sie schon immer der unvergesslichen Musik der 80er nacheifern wollten, begannen sie, die unergründliche Wundertüte an Sounds und Melodien jener Zeit auszuloten. So weit, so gut.

Bis zu ihrem Zweitling „Peek-A-Boo“ (2006) blieb der Eindruck, dass New Order, A Flock Of Seagulls, OMD und die Eurythmics etwas zu deutlich kopiert wurden. Und prompt: Nachdem das Musiklabel OUT OF LINE das aussergewöhnliche Duo auf myspace entdeckt und man sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt hatte, scheint der griechische TEE (Trans-Europa-Express) so richtig in Fahrt zu kommen. Zudem nahmen Marianthi und Sophie kurz nach „Peek-A-Boo“ erste Gesangslektionen. Freilich hören sich die Stimmen nun etwas glattpolierter und unterkühlter an - typisch Eighties eben. Dafür tönt das akzentfreiere Englisch professioneller. Und sonst?

Auf „Lumineux Noir“ gibt es zwar zwei/drei allzu süssliche oder unglücklich kombinierte, nicht wie aus einem Guss wirkende Stücke. Mit dem Problem „welcher Refrain passt zu welcher Strophe“ muss der Künstler wohl rechnen, wenn er ganz bewusst so viele Referenz-Puzzleteile mit ins Spiel nimmt. Alles in allem wurde das 80er-Puzzle aber charmant und stilvoll in unsere Zeit transportiert. Sei es nun in „Radial Emotion“, wo spassiges Game-Geblubber der frühen Yellow Magic Orchestra auf  Ultravox-Synthis von 1980 trifft. Oder im betörenden „Destroy Me“: New Orders „Everything’s Gone Green“ vermischt sich mit OMDs „Secret“. Auch „So Far“ hat auch was von New Order, vielleicht eine Portion „Bizarre Love Triangle“? Besonders Bands wie New Order und Orchestral Manoeuvres In The Dark kann man des Oefteren wiederzuerkennen. Und darüber schweben Stimmen vergleichbar mit Paul Humphreys (von OMD, er sang u.a. „Souvenir“ und „Live And Die“) oder Bananaramas beschwingtem Dreigesang.

Wenden wir uns von den Gemeinsamkeits-Forschungen ab und betrachten die rein musikalischen Highlights: „Destroy Me“ und „Radial Emotion“ hab ich schon erwähnt. Bei „Summer“ liegt man goldrichtig, wenn man dahinter einen veritablen Sommerhit vermutet. Wenn nicht für die ach so wichtigen offiziellen Charts, dann immerhin für sich selbst! Auch „Breakthrough“ kann bei solch grell schillernden Pop-Energien durchaus der „Durchbruch“ zugetraut werden. Die artverwandten Ladytron und Client hatten auf ihren letzten CDs ebenfalls ein „Ghosts“, und Marsheaux spielen mit ihrem „Geisterlied“ etwa in derselben Liga. Im epischen „Sorrow“ geleiten orchestrale Synths und dramatische Trommeln Richtung Schluss-Takte. Bei diesen Qualitäten geraten „Exit“, „Faith“, „It’s Fine Now“ und „So Far“ unverdient in den Hintergrund. Hier jedenfalls.

Marsheaux bezeichnen ihren Stil ganz simpel als „romantischen Synthipop“. Ueber die verwendeten Instrumente - eine Menge analoges Equipment - und die Einflüsse kann man sich auf myspace informieren. Logisch, dass Sophie und Marianthi ihre Instrumente eigenhändig beherrschen; dies um allfälligen Vorurteilen zum Thema „Frauen und Elektronik“ vorzugreifen. OUT OF LINE hat auf alle Fälle abermals einen beneidenswerten Riecher für neue, aufstrebende Elektromusik-Talente bewiesen.

Da Andy McCluskey von den mehrfach genannten OMD die Musik der Griechinnen mag, verwundert es nicht sonderlich, dass Marsheaux die wieder auferstandenen Briten (die in Originalbesetzung an einem neuen Album feilen!) schon supporten durften. Zudem erarbeiteten sie gemeinsam einen Coversong ab OMDs Millionenseller „Architecture & Morality“. Wenn Namen wie Duran Duran auf der Remix-Liste stehen oder Kylie Minogue für einen Remix bzw. Faithless für einen Supportauftritt anfragen, können die zwei Damen zuversichtlich in eine rosige Zukunft blicken. Die Fortschritte gegenüber den verspielten Vorgängern sind deutlich erkennbar. Ein Album für die Ewigkeit ist dem Duo mit „Lumineux Noir“ zwar nicht gelungen. Für kurzweilige leichte Muse, der man mit dem Wort „Nostalgie“ alleine nicht gerecht wird, ist aber für fast eine Stunde gesorgt.

Was ich noch sagen wollte: Sowas wie einen Marsheau gibt es nicht, auch wenn ich mir dabei ein kleines putziges Pelztier mit schwarz-leuchtenden Kulleraugen vorstellen könnte…

www.marsheaux.com (und .de)
www.myspace.com/marsheaux

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