Singles Tour

25 September 1998 / Zürich - Hallenstadion

Setlist | Konzertberichte | Presse

Setlist

Intro (Painkiller)
A Question Of Time
World In My Eyes
Policy Of Truth
It's No Good
Never Let Me Down Again
Walking In My Shoes
Only When I Lose Myself
A Question Of Lust
Home
In Your Room
Useless
Enjoy The Silence
Personal Jesus
Barrel Of A Gun
Somebody
Just Can't Get Enough

Fan Berichte

Am 25. September 1998 bin ich zusammen mit etwa 12500 anderen Fans ins Hallenstadion Zürich gepilgert um Depeche Mode nach deren langer Abstinenz wieder einmal live erleben zu dürfen.

Die Stimmung war zum zerreissen nahe als pünktlich um 21.00h das Konzert mit den ersten Soundeffekten zu Painkiller begann. Ein sichtlich „cooler“ Dave versetzte mit „A question of time“ das Publikum auch gleich in den Ausnahmezustand... und das nur schon alleine dadurch dass er auf der Bühne stand mit seiner unverkennbaren Gestik. Doch Dave wollte einfach nicht so richtig in Fahrt kommen, und als er nach dem dritten Song immer noch keine grosse Action zeigte, vor allem auch keinen einzigen Zwischenruf und kein „let me show your hands“ von sich gab, wurde mir schnell klar dass irgend etwas nicht stimmen konnte....

Beim „Never let me down“ -Refrain wurde diese Befürchtung zur brutalen Gewissheit, denn die Stimme von Dave setzte teilweise total aus so dass Martin einspringen musste. Beim nächsten Song schien es so als ob Dave sich mit den Worten „If you try walking in my shoes“ entschuldigen wollte dass er aufgrund seiner Erkältung heute einfach nicht besser Singen könne. Beim darauf folgenden „Only when i lose myself“ versetzte er die ganze Halle in eine Art von „Schockzustand“; so ungewöhnlich ruhig war es noch nie an einem DM-Konzert! Jeder fieberte mit dem krächzenden Star mit ob er wohl die nächste Strophe überhaupt noch schaffen würde, um seine Stimmbänder pflegen zu lassen. Das hat leider nicht viel geholfen wie kurze Zeit später gleich nach Martin’s Showblock klar wurde. Aber zum Glück waren die restlichen Songs gesanglich nicht mehr allzu anspruchsvoll, so dass zum Beispiel beim genialen „Enjoy the silence“ Dave’s Stimmprobleme wenigstens für einen Moment völlig in Vergessenheit geraten konnten.

Man darf festhalten dass Dave wirklich alles gegeben hat aber es wollte oder konnte ihm an diesem Abend einfach nicht gelingen. Zudem fehlten wie schon angesprochen seine Anfeuerungsrufe während dem kompletten Konzert, was im nachhinein gesehen sogar eindeutig das schlimmste war. Dass die Songs „Condemnation“ , „I feel you“ und „Stripped“ ersatzlos gestrichen wurden versetzte dem ganzen zusätzlich noch einen fahlen Beigeschmack. Und so kam es wie es kommen musste, von den bisher 5 Konzerten die ich in der Vergangenheit besucht habe war ich nun zum ersten Mal ein wenig enttäuscht....

Da ich meine Lieblingsband aber schon so lange nicht mehr Live erleben durfte war ich trotzdem nur schon froh dass sie überhaupt da waren. Und abschliessend bleibt zu erwähnen dass der Sound ziemlich bombastisch , Martin wie immer Brillant und nicht zu vergessen die Fans trotz diesen schwierigen Umständen einmalig waren !!!

Keep on modeing….

Martin Steiner


Depeche Mode: Fast wie zu guten alten Zeiten
Fans suchten verzweifelt nach Tickets, die Schwarzmarktpreise schnellten in die Hohe: Ein sicheres Anzeichen dafür, dass die erfolgreichste elektronische Band aller Zeiten in Zürich war. Depeche Mode kamen, kämpften mit Problemen und gaben trotzdem alles auf ihrem „The Singels 86 > 98“-Konzert.

Fünf Jahre bangten, und hofften die Fans. Doch am Freitag, 25.09. wurde alles wieder gut: Depeche Mode, seit 18 Jahren im Geschäft und auch 1998 ton- und stilangebend, kehrten zurück, allen voran Sänger Dave Gahan, der nach einem Selbstmordversuch und Drogencocktail eigentlich schon im Jenseits war, nach zwei Minuten klinischen Todes aber wieder den Weg zurück ins Leben fand.

Sichtlich nervös betritt er die Bühne, intoniert den Tanzklassiker „A Question of time“ und schon beim zweiten Stück huscht ein breites Lächeln über sein Gesicht. Dezent im Hintergrund blieben Andy Fletcher und Martin Gore, die sich wie immer hinter ihren Keyboards verschanzten.

Dave intoniert klar und kräftig mit seiner tiefen, vollen Stimme – bis letztere ihm völlig überraschend bei der aktuellen Single „Only whene I lose myself“, die in einer etwas höheren Tonlage gehalten ist, wegbleibt. Er kämpft, quält sich, lässt nicht locker, kann nicht glauben, was ihm geschieht. Mehr anstandshalber als gekonnt beendet er das Stück und muss dann hinter der Bühne sofort einen Arzt aufsuchen. Die Fans leiden sichtlich mit ihm. Es wird klar: Sie Stimme, die Gahan nach seinem Drogenexsess von Grund auf nochmals neu aufbauen musste, ist so stabil noch nicht.

Spontan wird daraufhin das Set von Stück zu Stück umgekrempelt, Komponist und Texter, Martin Gore – angesichts seiner Lack&Leder-Vorliebe diesmal erstaunlich brav gekleidet – springt ein, intoniert „A Question of Lust“ und „Home“.

Ein wenig erholt kehrt Dave Gahan danach wieder auf die Bühne zurück, singt tiefere Lagen selber, wird aber beim Refrain höchstwahrscheinlich vom Backingtape gestützt. Dem Publikum ist’s einerlei, aber die Band ist aus dem Takt geraten. Der Schwung ist weg.

Doch dann: Ein Kraftwerk-Sample blitzt kurz auf, „Enjoy the Silence“ löst die Verkrampfung und plötzlich ist alles wieder wie früher: Leichtfüssig. Tänzerisch und sexy, voller Kraft, keine Hand, die unten bleibt; ein leichtes Hüftwippen, ein Fingerschnippen genügt, um den Hexenkessel anzufachen. Dave schwingt vor Erleichterung den verdutzen Martin Gore um sich herum. Erleichterung auch ringsum, noch so gerne singt das Publikum Dave zuliebe den grossen Teil der folgenden Songs gleich selber.

Erleichterung auch, weil dieses nicht ganz glückliche Konzert trotzdem definitiv klar vor Augen führt, dass sie’s immer noch können, immer noch aller zu geben bereit sind, und immer noch zu den ganz grossen und wahren Könnern in diesem Geschäft gehören, live genauso wie musikalisch.

Barbara Krynski


Mit grosser Freude habe ich und meine Freunde auf Depeche Mode gewartet, haben aber auch grosse Erwartungen gehabt, da die letzen 4 Konzerte der Gruppe (in Zürich) eines besser war als das andere. Der Maßstab war dementsprechend hoch angesetzt, was Bühnenshow und Musik anbelangt.

Wenn man berücksichtigt, dass Depeche Mode bei der letzten Tournee 1.5 Jahre unterwegs war und sie sich deswegen mit Nervenzusammenbruch, Drogenproblem und Meinungsverschiedenheiten herum quälten, ist klar, sie würden nie wieder eine solch lange Tournee veranstalten. Geplant waren ursprünglich ca. 4 Monate Tournee, da muss man sich darauf gefasst machen, dass die Bünenshow relativ einfach ausfällt. Es war so, dass die Show auf 3 kleinen Leinwänden im Mittelpunkt und den Buchstaben D M je auf einer Seite, doch gefallen fand, nicht aber speziell war. Wobei mir das entgegen kam, weil für mich (und sicherlich auch für die Band) die Musik im Vordergrund stand und nicht die Show.

Musikalisch ist Depeche Mode sicherlich eine der besten Gruppen die es gibt, deshalb war es schade das Dave Gahan (Gesang) an diesem Tag gesundheitliche Probleme hatte. Nach 3-4 Songs vermochte er nicht mehr in die Höhen vorzustossen die ihn so auszeichnen. Es tat einem weh anhören zu müssen, wie er versuchte alles zu geben und die Stimme dann trotzdem bei einer gewissen Höhe einbrach wie ein Kartenhaus. Auch war sein Bewegungsradius recht eingeschränkt. Zu beginn machte er gleich seine berühmte Pirouette mir dem Mikroständer, um damit quasi anzudeuten, „Leute ich bin heute nicht gut drauf, hier habt ihr sie, ich mag aber nicht nochmals“. Das hinderte ihn aber nicht daran, mit seinen Gesten (Possen) das Publikum auf seine Seite zu kriegen und mit ihnen zu spielen wie Wachs in seinen Händen. Leider war nach eine Zugabe Schluss. Trotzdem, grossen Respekt verdient die Gruppe auf jeden Fall, sie hat an diesem Abend alles gegeben, obwohl für ihn vermutlich ein rabenschwarzer Abend war und er deswegen hinter der Bühne immer wieder Ärztlich versorgt werden musste.

Grosse Fans waren sicherlich begeistert von dem Konzert, da man sicherlich selten ein Konzert sieht, dass so persönlich war wie dieses. Andere, die mehr als neugierige einen Besuch abgestattet haben oder mitgerissen wurden von Bekannten, die fanden es (evtl.) etwas passiv (unterkühlt).

Egal, meiner Meinung nach ist das Konzert immer noch besser gewesen als manch anderes, bei denen es keine gesundheitlichen Probleme gegeben hat in der Band. Ich würde sofort wieder gehen und ein Dave Gahan bei bester Gesundheit hätte aus dem Hallenstadion einen Hexenkessel gemacht.

Daniel Müller

 


Depeche Mode hat es wieder einmal geschafft, die unpassenste Vorband zu haben. Die Girls von Purity wären eigentlich gar nicht schlecht gewesen. Sie hatten einfach das Pech am falschen Anlass zu sein.

Doch eine halbe Stunde später ging es los. Die Jungs erschienen auf der Bühne, und Zürich tobte. Dave legte los mit seiner Mikrofonakrobatik zu „A question of time“. Die Fans sangen allesamt mit. Das Hallenstadion war energiegeladen, und man sah nur glückliche Gesichter. Schliesslich musste die Schweiz fünf Jahre auf dieses Konzert warten…..

Mysteriös wurde es, als Dave nach dem vierten Lied die Masse immer noch nicht begrüsst hatte. Zürich wurde schlicht und einfach nicht angesprochen. Das endgültige Desaster begann aber bei „A question of lust“. Dave verlor die Stimme. Teilweise war ein Quietschen zu hören, teilweise gar nichts mehr. Martin versuchte zu retten, was zu retten war und sang stellenweise mit. Das Publikum war zwar ein wenig enttäuscht, doch der Enthusiasmus blieb ungebrochen. Danach sang Martin zwei Stücke.

Anschliessend kamen die Sängerinnen auf die Bühne, die übrigens wieder einmal Klasse waren. Zum Glück von Dave. Von da an sang er nur noch die tiefen Töne, die Sängerinnen übernahmen die hohen. Aber Respekt an Zürich, die Masse tobte trotzdem voller Begeisterung vor allem zu „Enjoy the silence““ und „Policy of truth“.

Dann verschwand D.M. von der Bühne und erschien fünf Minuten später wieder nachdem Zürich schon am überkochen war. Dave und Martin sangen noch je ein Stück, darunter „Somebody“ und verabschiedeten sich dann mit einem simplen „Thank you“. Das war’s! Knappe 90 Minuten und die Show war vorbei. Begreifen konnte das Niemand.

Trotzdem war das Konzert toll, nur einfach zu kurz. Und Dave konnte einem leid tun, mit seiner Stimme. Es war ihm sicherlich unangenehm, nicht den Erwartungen zu entsprechen.

Alexander Gygax

Medien

AARGAUER ZEITUNG – 28.9.1998 – Hans Jürg Zinsli

Gut geölt auf organischen Pfaden
Trio Depeche Mode bringen mit einer Best-of-Show das Zürcher Hallenstadion zum kochen.
Nach fünf Jahren Bühnenpau­se gastierten Depeche Mode am vergangenen Wochenende erst­mals wieder in der Schweiz. Trotz einiger Missklänge bot das englische Trio vor ausver­kauftem Haus eine überzeu­gende Performance mit Hits aus zwei Jahrzehnten.

Das Bühnenbild ist fast schon sym­ptomatisch. Das einzig Auffällige sind zwei von der Decke herabhängende, wespennestartige Laut­sprecher-Konglomerate. Der Rest prä­sentiert sich in schlichter Unaufdring­lichkeit: 3 Synclavier-Arbeitsplätze und ein Schlagzeug vor rotem Hintergrund. Davor prangen die übermannsgrossen DM-Buchstaben, dazwischen ist ein doppelter Videoscreen platziert. Mehr brauchen die drei Engländer an diesem Abend nicht. Denn schon bei den Anfangstakten von «A question of time» geht die vornehmlich mit Twenty-So­me things gefüllte Halle frenetisch mit. Sänger Dave Gahan nimmt's gelassen. Nach einem artigen Knicks jongliert er mit dem Mikrofonständer, dann geht die Post ab: «Policy of truth», «Walking in my shoes» so wie weitere Hits aus der neueren DM-Ära sorgen für euphorische Stimmung und ein woge

«Das war nicht wirklich gut», meckert ein Konzertbesucher 90 Minuten später beim Pissoir zu seinem Kollegen über das weisse Schutzwändchen hinweg. Es herrscht keine Euphorie in den Hallen­stadion-Gängen wie noch vor wenigen Wochen nach dem «The Artist»-Konzert. «Es hat zeitweise richtig geschmerzt», meint ein weiblicher Fan.

Was war eigentlich geschehen? Nach­dem der beschriebene Roadie mit wich­tiger Miene wieder verschwindet, ist die Bühne für ein Heimspiel bereit. Auf der Bühne kein Pomp: ein grosser roter Vorhang, in der Mitte ein Videotürm­chen, links ein überdimensionales «D», rechts das «M». Sänger Dave Gahan tritt mit einer Kurzhaarfrisur wie in früheren Tagen ins Licht, schwarz gekleidet, macht einen Hüftschwenker und hat das Publikum gleich im Sack. 12 000 Leute fressen ihm aus seiner Hand. Überzeu­gen muss er mit dem Hauptkomponi­sten sowie Keyboarder und Gitarristen Martin Gore und dem zweiten Tasten­mann Andy Fletcher sowieso nieman­den im Saale. Die Fans sind seit Jahren bekehrt. Der 1995 ausgestiegene Alan Wilder wird mit einem Gastkeyboarder kompensiert.

BLICK - 26.9.1998 Elias Fröhlich

ZURICH - Tolle Stimmung gestern Abend im prop­penvollen Zürcher Hallen­stadion. Das britische Kult-Trio Depeche Mode verzauberte mit bomba­stischem Elektronik-Rock und spartanischen Show Elementen.
Was kaum einer der 12 500 Fans merkte: Sänger Dave Gahan musste seine Stimme vom Arzt behandeln lassen - während des Konzerts.

Auf der Bühne : Neben Gahan Martin Gore, Fletch Fletcher und ein Schlagzeuger. Hit auf Hit aus zwei «Greatest Hits» Kollektionen. Die brandneue , «The Singles 1986-98», erscheint am nächsten Montag Die Band ist sehr spielfreudig, die Song­ Klassiker sind düster und schwermütig Schwebende Sphären­sounds mit stampfen­den Elektrobeats voller melodischer Schönheit. Fast zwei Stunden geben Depe­che Mode alles – die Fans auch.

 

depechemode.ch