Alan Wilder im Interview mit depechemode.ch

Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Alan Wilder in Hinblick auf seinen Auftritt im Kaufleuten Zürich (31. März) ein Interview geführt.

Interview deutsch

dm.ch: Alan Wilder, es ist nun schon eine ganze Weile her, seit Du die Koffer gepackt hast und auf Tour gegangen bist. So richtig unterwegs in Sachen Musik, das muss letztmals 1994 mit Depeche Mode gewesen sein. Was hat den Recoil-Mann dazu bewegt wieder für längere Zeit unterwegs zu sein? Immerhin dauert die "Selected Event"-Tour mehrere Wochen, ja Monate?

 

AW: Die Idee nahm Form an, als ich mich dazu entschloss, ein paar Promo-Auftritte durchzuführen. Mir wurde bewusst, dass ich nicht weiterhin bloss noch zu Autogrammstunden persönlich in Erscheinung treten konnte; und der Umstand, dass wir neue Remixes auf dem 'Selected album' hatten, bot die perfekte Gelegenheit, daraus etwas besonderes zu machen. In gewisser Weise ist es die 25Jahr-Feier des Projekts. Als wir uns dann für eine audiovisuelle Aufführung entschlossen, war es sinnvoll, noch mehr Städte zu besuchen, um die Wirkung zu verstärken.

 

dm.ch: Mit Paul Kendall, Deinem langjährigen Recoil Mitproduzenten kommst Du am 31. März nach Zürich. Was erwartet uns an diesem Abend unter dem Namen "A Strange Hour with Alan Wilder and Paul Kendall"?

 

AW: Kommt vorbei und findet es selbst raus:)

 

dm.ch: Ist denn irgendwann ein Recoil Live-Auftritt ein Thema, also mit richtiger Band auf der Bühne?

 

AW: Vermutlich nicht – es existieren schon so viele Livebands, dass ich lieber etwas eigenes machen möchte, obschon ich erst kürzlich Massive Attack gesehen habe, die ihr Repertoire live sehr gut vorgebracht haben, mit einer Band und verschiedenen Sängern, die abwechselnd auftraten.

 

dm.ch: Bisher war die Zeitspanne zwischen dem Erscheinen der Recoil-Platten immer wieder relativ lang, nun hast Du mit "Selected", knapp drei Jahre nach "SubHuman" mit einem Best Of bereits wieder ein Release. Ist "Selected" also eher ein Schlusspunkt eines 24jährigen Kapitels, welches 1986 mit "1+2" begann, oder ein Aufbruch in eine neue, zumindest was jetzt die Promotion angeht, kommerziellere Ära?

 

AW: Kommerziellere? Wer sagt das?:) Nun, mir war bis noch vor kurzem nicht einmal bewusst, dass das Projekt beinahe schon 25 Jahre alt ist! Ich schätze das muss ein wenig gefeiert werden; ansonsten versuche ich aber, immer weiter zu experimentieren, unvoreingenommen und ohne mir Grenzen zu setzen. Ich tue einfach, was ich tue und schaue, was dabei herauskommt.

 

dm.ch: Du hattest auf Deinen Recoil-Alben schon diverse und bekannte Stimmen wie Tony Halliday, Moby, Douglas McCarthy. Wie funktioniert so eine Zusammenarbeit; kommen all diese Künstler zu Dir ins "The Thin Line" und folgen Deinen Anweisungen oder läuft es umgekehrt?

 

AW: Es kommt ganz auf den Sänger an. Normalerweise schaffe ich eine Grundlage für etwas, das sie selbständig weiterentwickeln können, dann treffen wir uns (oft im "The Thin Line") und nehmen unsere Ideen auf, bevor ich dann alles mindestens noch einmal überarbeite. Es ist wichtig, dass von Anfang an eine gute Atmosphäre herrscht, die sich erwartungsgemäss inspirierend auswirkt.

 

dm.ch: Nach dem bluesigen SubHuman von 2007: Welche Kollaborationen und Experimente lässt das Format Recoil noch zu?

 

AW: Hoffentlich noch sehr viele. Es ist ein derart offenes Buch, das, wie ich meine, keine wirklichen Beschränkungen kennt, so dass schätzungsweise mit allem zu rechnen ist.

 

dm.ch: Mit "I Am Undone" hast Du zuletzt einen tollen Remix für das neue Nitzer Ebb-Album beigesteuert. Wird es in Zukunft vermehrt Remixes "Made by Alan Wilder" für andere Bands geben?

 

AW: Danke – schön, dass es Dir gefällt. Das Remixen ist nicht etwas, das ich bewusst weiterverfolge – in Wirklichkeit war der Ebb-Mix eine Gefälligkeit (sie steuerten einen Mix für 'Selected' bei). Ab und an habe ich Spass am Remixen, wenn es sich dabei um einen guten Track handelt.

 

dm.ch: In Deiner Depeche Mode-Zeit von 1982 bis 1984 hast Du Songs wie "Fools", "Two Minute Warning", "The Landscape is Changing" oder "If You Want" geschrieben. Wäre es ein Anreiz für Dich, diese Tracks neu zu remixen bzw. mit der heutigen Technik neu zu gestalten?

 

AW: Nein, das hat für mich keinen besonderen Reiz. Es gibt einige DM-Tracks, die ich ganz gerne ein zweites Mal bearbeiten würde, dabei handelt es sich aber eher um Stücke aus einer späteren Zeit.

 

dm.ch: Man kennt Dich hier in der Schweiz vor allem durch zahlreiche Konzerte und TV-Auftritte mit Depeche Mode. Verbindet Dich sonst noch etwas mit unserem Land?

 

AW: Hmm... also da sind natürlich all die Klischees :) wie Neutralität, Toblerone, Berge, das Rote Kreuz. Dann gibt es Yello, eine unterdurchschnittlich gute Fussballmannschaft, einen genialen Tennisspieler, H.R. Giger, zu viele Nationalsprachen, ein ziemlich gutes Restaurant in Berlin genannt Nolas, und meinen sehr guten Freund Reto Bühler.

 

dm.ch: Wir Fans in der Schweiz freuen uns auf den Anlass am 31. März im Kaufleuten Club in Zürich und wünschen Dir viel Erfolg auf Deiner bevorstehenden "Selected Event"-Tour.

 

AW: Danke – auch ich freue mich sehr darauf. Ich weiss nicht genau, wie das Publikum sein wird, deshalb bin ich sehr gespannt auf dieses Event.

 

© depechemode.ch

 

Interview english

dm.ch: Alan, it's been quite a while since you packed your bags and started touring. The last time you were really on tour must have been with Depeche Mode in 1994. Why does the Recoil man feel the urge to go en route for a longer period? After all, the "Selected Event" tour takes several weeks, months, actually

 

AW: The idea really evolved once I decided to undertake some promo visits. I realised that I couldn’t just keep making personal appearances to sign CDs and this seemed a perfect opportunity to do something extra, given that we have some new remixes on the ‘Selected’ album, and in a way it’s a celebration of nearly 25 years for the project. Once we decided to put an audio/visual presentation together, it made sense to visit more cities and maximise the effect.

 

dm.ch: You are in Zurich with your long-time co-producer Paul Kendall on March 31st. What can we expect of this evening called "A Strange Hour with Alan Wilder and Paul Kendall"?

 

AW: Come along and find out:)

 

dm.ch: Would you consider doing a Recoil live gig, on stage with a real band some day?

 

AW: Probably not – there are so many live bands out there, I prefer something a little different, although I did see Massive Attack recently and they made their collective work very well live, with a band and different vocalists appearing at various points in the show.

 

dm.ch: Usually there was always a longer time period between two Recoil album releases. Now, only three years after "SubHuman", you released a Best Of album. Does "Selected" rather mark the end of a 24-year chapter beginning in 1986 with "1+2" than, in promotion matters, the beginning of a new and more commercial era?

 

AW: More commercial? Who said that?:) Well it was only the other day that I realised the project is almost 25 years old! So I guess it’s time for a bit of a celebration, but apart from that I will try to carry on experimenting with not too many preconceptions or limitations. I just do what I do and see what transpires.

 

dm.ch: On your Recoil albums you've already worked with different famous voices like Tony Halliday, Moby or Douglas MacCarthy. How do these collaborations work? Do all the artists come to the "Tine Line" and carry out your instructions or is it the other way round?

 

AW: It varies from singer to singer. Usually I provide a framework for them to work to with on their own, then we get together (often at The Thin Line) and record the ideas, and then I re-work everything at least once more. It’s important that the atmosphere is there from the beginning to hopefully inspire them.

 

dm.ch: After a bluesy "SubHuman" in 2007: Does the concept of "Recoil" still have some potential for further collaborations and experiments?

 

AW: I very much hope so. It is such an open book, as I say with no real restrictions, so I guess anything could happen.

 

dm.ch: You recently contributed a great remix called "I Am Undone" to the new Nitzer Ebb album. Are you planning on doing some more remixes "made by Alan Wilder" for other bands?

 

AW: Thank you – glad you like it. Remixing is not something I actively pursue – the Ebb mix was a mutual favour really (they did one for ‘Selected’). I enjoy doing them occasionally if it’s a good track.

 

dm.ch: During the years of 1982 to 1984 with Depeche Mode you've composed songs like "Fools", "Two Minute Warning", "The Landscape is Changing" and "If You Want". Would you be tempted to remix these tracks or to re-arrange them using contemporary techniques?

 

AW: That’s not really something I’d be especially interested in. There are certain old DM tracks I’d like to have another go at but these would be from a later period I think.

 

dm.ch: In Switzerland you are known from numerous concerts and TV appearances with Depeche Mode. Do you connect anything else with our country?

 

AW: Hmm... there are the clichés of course:) Neutralism, Toblerone, Mountains, the Red Cross. Then there is Yello, a distinctly below average national football team, a genius tennis player, H. R. Giger, too many languages, a rather good restaurant in Berlin called Nolas, and my very good friend Reto Bühler.

 

dm.ch: Your Swiss fans are looking forward to seeing you at the "Kaufleuten" in Zurich on March 31st. They wish you a very successful upcoming "Selected Event" tour.

 

AW: Thank you – and I’m very much looking forward to being there. I’m not really sure how the crowd will be so I’m very curious about that event.

 

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